Wie sieht der Prozess der Granitbearbeitung aus?
Granit ist ein magmatisches Gestein, was bedeutet, dass er aus Magma oder geschmolzenem Gestein entstanden ist. Er bildet sich tief im Inneren der Erde unter einem Berg oder Vulkan, wenn geschmolzenes Gestein abkühlt und zu festem Gestein kristallisiert. Mit der Zeit tragen Wind, Eis und Wasser den darüberliegenden Berg oder Vulkan ab, wodurch der Granit schließlich an der Erdoberfläche freigelegt wird.
Granit wird im Tagebau gewonnen, das heißt durch das Entfernen der oberen Erd- und Gesteinsschichten. Aus dem Steinbruch werden einzelne Blöcke gewonnen. Diese Blöcke werden anschließend mit Diamanttrennscheiben und Diamantseilsägen in Platten geschnitten. Diese ermöglichen eine präzise Trennung der Blöcke bei minimalem Materialverlust. Traditionelle Handwerkzeuge (Hammer und Meißel) werden eingesetzt, wenn nicht standardisierte Formen oder Details in der Bildhauerei benötigt werden.
Aufgrund seiner Härte erfordert Granit spezielle Werkzeuge zur Bearbeitung. Diamanttrennscheiben, wie oben erwähnt, sorgen für präzises und effizientes Schneiden. Eine angemessene Kühlung der Werkzeuge ist äußerst wichtig, da überhitzter Stein leicht reißen kann.
Der erste Schneidvorgang wird auch Vorsägen genannt. Diamantseile der Seilsäge schneiden die Blöcke in Platten mit einer bestimmten Dicke. Die so entstandenen Platten werden anschließend weiter bearbeitet. Dazu gehören vor allem Schleifen und Polieren, um dem Stein natürliche Glätte und Glanz zu verleihen, sowie Flammen, wodurch eine raue und rutschfeste Oberfläche entsteht. Neben diesen Verfahren gibt es noch weitere Methoden zur Oberflächenstrukturierung. Nachfolgend eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Techniken.
Schleifen
Beim Schleifen werden hervorstehende Teile und Unebenheiten entfernt, um eine glatte Oberfläche zu erhalten und sie für weitere Bearbeitungsschritte (z. B. Polieren) vorzubereiten. Das Egalisieren der Oberfläche verbessert die ästhetischen Eigenschaften des Steins.
Nach dieser Bearbeitung ist die Steinoberfläche geglättet und weist meist eine matte Optik auf. Abhängig von der Körnung der Schleifsegmente kann das Material leichte Kratzer oder eine matte Oberfläche aufweisen.
Polieren
Das Polieren sorgt für eine elegante, glänzende Oberfläche und hebt die reiche Farbgebung sowie die natürlichen Maserungen des Steins hervor.
Der Polierprozess umfasst einen schrittweisen Wechsel der Körnung der Schleifwerkzeuge, bis ein spiegelähnlicher Effekt erreicht wird.
Elemente, die auf diese Weise bearbeitet wurden, zeichnen sich durch einen sehr hohen Glättegrad aus. Der Stein erhält seinen natürlichen Glanz und die Oberfläche wird relativ glatt und rutschig. Dies ist die beliebteste Endbearbeitung, da sie die ästhetischen Eigenschaften und die gesamte Farbpalette des Granits besonders gut zur Geltung bringt.
Flammen
Das Flammen ist eine thermische Bearbeitung des Steins unter Einsatz sehr hoher Temperaturen, wodurch kleine Fragmente der Oberfläche absplittern. Geflammter Granit hat eine raue, rutschfeste Oberfläche, die etwas wie gealterter Stein oder ein natürlicher Bruch aussieht.
Durch die hohe Temperatur werden Veränderungen in den Quarzkörnern sichtbar. Diese Art der thermischen Bearbeitung versiegelt auch Mikrorisse und erhöht die Haftung, wodurch das Material widerstandsfähiger gegenüber schwierigen Witterungsbedingungen wird.
Kugelstrahlen
Die Kugelstrahlbearbeitung zeichnet sich durch eine hohe Rutschfestigkeit aus. Sie wird mit einer Maschine durchgeführt, die mit Turbinen ausgestattet ist, welche mit großer Kraft Edelstahlkugeln auf die Oberfläche schleudern. Dadurch erhält das Material eine raue Oberfläche und ist weniger anfällig für Verfärbungen.
Stockhammern
Beim Stockhammern wird die Oberfläche mechanisch mit speziellen Hämmern oder gezahnten Werkzeugen bearbeitet, wodurch der Stein eine raue und rutschfeste Struktur erhält. Diese Technik wird hauptsächlich bei horizontalen Elementen wie Treppen, Böden oder Grabplatten eingesetzt.
Bürsten (Antikbearbeitung)
Das Bürsten ist eine Bearbeitung, bei der eine leicht raue und rutschfeste Oberfläche entsteht. Der Effekt hängt immer von der ursprünglichen Struktur des Steins und dem Stadium ab, in dem der Bearbeitungsprozess beendet wird.
Dabei werden Schleifwerkzeuge verwendet, die als Bürsten bezeichnet werden. Sie bestehen aus flexiblem Nylonborsten, in die Schleifpartikel eingebettet sind. Der Bürstvorgang besteht meist aus mehreren Stufen, wie zum Beispiel:
grobes Bürsten,
schleifendes Bürsten,
halbpolierendes Bürsten.
Das Bürsten verleiht der Oberfläche matte, rutschhemmende Eigenschaften und bleibt gleichzeitig relativ glatt. Optisch erinnert sie an alte Steinböden, weshalb diese Technik oft mit einer Antikoptik verbunden wird. Obwohl sie weniger modern wirkt, ist sie bei vielen Kunden sehr beliebt.
Satinieren
Die Satinbearbeitung wird mit speziellen Diamantbürsten durchgeführt, die der Steinstruktur eine leicht wellige Oberfläche verleihen. Diese Struktur entsteht meist durch das Bürsten einer zuvor geflammten Oberfläche.
Spitzen
Diese Steinbearbeitung besteht darin, das Granitmaterial punktuell zu entfernen. Sie wird mit einer speziellen Düse und Wasser unter hohem Druck durchgeführt.
Stocken
Durch das Stocken erhält der Stein eine raue und matte Oberfläche. Die Oberfläche wird mit speziellen Werkzeugen bearbeitet, wodurch kleine Vertiefungen von etwa 3–5 mm Tiefe entstehen. Dadurch entsteht eine Struktur mit regelmäßigen konkaven und konvexen Punkten.
Das Stocken reduziert die Intensität der Farbe des Steins und macht ihn gleichzeitig rutschfest, weshalb er sich besonders für horizontale Flächen, Treppen oder Böden eignet.
Je nach Grad der Oberflächenbearbeitung sowie Tiefe und Verteilung der Vertiefungen unterscheidet man grob, mittel oder fein gestockte Oberflächen.
Nach der Oberflächenbearbeitung der zuvor aus den Blöcken geschnittenen Platten erfolgt die Formatierung, also das Zuschneiden und Formen der Platten auf die gewünschten Endmaße.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Umwandlung von Rohstein in ein Endprodukt mit den gewünschten Eigenschaften und dem gewünschten Aussehen – vom ersten Zuschnitt über Schleifen, Polieren, Flammen, Bürsten, Satinieren, Stockhammern, Stocken, Spitzen bis hin zu fortgeschrittenen Gravurtechniken (falls erforderlich) – zu den anspruchsvollsten Prozessen in der Steinbearbeitungsbranche gehört.
Hochwertige professionelle Werkzeuge, spezialisiertes Wissen, die richtige Technik und die Erfahrung der Handwerker ermöglichen es jedoch, das volle ästhetische und funktionale Potenzial dieses natürlichen Rohstoffs zu erschließen.
Dank seiner außergewöhnlichen Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen ist Granit eine hervorragende Wahl für architektonische Anwendungen sowie für repräsentative Bau- und Ausführungsprojekte. Bei entsprechender Pflege kann er jahrzehntelang genutzt werden, ohne seinen ursprünglichen Glanz zu verlieren.
